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Wie wurden Babys in der ehemaligen DDR gewickelt?

Der Tag der deutschen Einheit

Vom Ossi zum Ösi

Vor fast 32 Jahren wurden die Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet. Und seit 31 Jahren feiern wir nun den gesamtdeutschen Nationalfeiertag, den Tag der deutschen Einheit. Ich als Ossi-Kind, Mitte der 1980er Jahre geboren, kann mich selbst nicht an die DDR-Zeit bzw. die Zeit der deutschen Mauer erinnern. Ich war drei Jahre alt, als die Mauer fiel.

Aber meinen Eltern sind die Jahrzehnte, welche ihre gesamte Kindheit, Jugend und junge Erwachsenenzeit prägte, noch gut in Erinnerung geblieben. Viele Geschichten habe ich gehört, ein paar möchte ich heute anlässlich des Feiertages mit dir teilen. Denn obwohl ich schon über die Hälfte meines Lebens in Österreich lebe, werden mich meine Wurzeln immer mit meiner Heimat, dem Erzgebirge in Sachsen, Deutschland verbinden.

Mangelware – Luxusgut

Bananen, Jeans, Autos, Möbel – das alles war Mangelware in der ehemaligen DDR. Die hochwertig erzeugten, langlebigen Produkte waren ein ideales Exportgut. Die Importe in die DDR waren widerrum mit vielen Hürden und langen Wartezeiten verbunden. Vielleicht hast du schon einmal von den Westpaketen gehört? Dabei handelte es sich um Pakete, die Bekannte und Verwandte aus Westdeutschland nach Ostdeutschland geschickt haben. Diese enthielten sehr oft Produkte, welche die DDR-BürgerInnen schwerer bekamen. Leider kamen die Pakete nicht immer vollständig im Osten an, wenn überhaupt.

Wie wurde im geteilten Deutschland gewickelt?

Die meisten jungen DDR-Eltern haben mit Stoffwindeln gewickelt. Aber das war nicht so chillig wie heute: Damals mussten die Windeln tatsächlich noch in großen Töpfen ausgekocht werden und zum desinfizieren gebügelt werden. Nicht jeder Haushalt hatte eigene Waschmaschinen. Und die vorhandenen Maschinen wuschen mit nur mit kaltem Wasser. Die Waschmittel besaßen nicht die Waschkraft, wie die Produkte die wir heute nutzen.

Auch damals gab es schon Wegwerfwindeln (auf den deutschen Markt kamen sie etwa Mitte der 1970er), aber eben vorallem in Westdeutschland. Die ostdeutschen Einmalwindeln hat man wohl gar nicht nutzen können. Mama sagte, manchmal waren Wegwerfwindeln im Westpaket und die wurden wie Heiligtümer verwendet, nur in ganz besonderen Momenten oder wenn eine lange Fahrt anstand.

Wegwerfwindeln waren ein Luxusgut.

Gewickelt wurde täglich mit Baumwollstoffen, darüber zog man eine Gummihose. Die dreckigen Windeln kamen in Wassereimer, worin sie bis zum Waschtag lagerten. Das Einweichwasser wurde alle 1-2 Tage gewechselt, was geruchstechnisch kein Spaß war. Wie gesagt dann in großen Töpfen ausgekocht und nach dem Trocknen gebügelt. Und das immer und immer wieder.

Die DDR-Frauen waren regelrechte Arbeitstiere, die ihren Beitrag zum Kollektiv mit ihrer Arbeitsleistung brachten UND hauptsächlich allein für den Haushalt verantwortlich waren. Und dann war der Haushalt auch noch so beschwerlich. Dass die Kinder mitunter schon mit wenigen Wochen in die Betreuung kamen, werde ich mal an anderer Stelle genauer erzählen. Jedenfalls wissen wir jetzt, dass das Wickeln bzw. das Waschen der Windeln echt keine Gaudi war.

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Wickeln in der ehemaligen DDR. Foto aus dem Buch „Kleine Enzyklopädie – Das Kind, 1967, VEB Bibliographisches Institut Leipzig“.

Frühes Töpfchentraining

Darum hat man auch geschaut, dass die Kinder beizeiten trocken waren. Ja, damals wurde noch aktiv Töpfchentraining betrieben – so mit Töpfchen-Sitzkreis und erst aufstehen dürfen, bis was im Töpfchen war. Echt gruselig. Aber damals war das nunmal so und wurde auch aktiv in der KiTa so betrieben. Meine Mama hat mir erzählt, dass sie manchmal stundenlang auf dem Topf sitzen musste.

Große Unterschiede zwischen den beiden deutschen Staaten

Es gab natürlich noch viel mehr Unterschiede, auch was die Geburt an sich oder die Erziehung betraf. Westfrauen waren noch vermehrt Hausfrauen, Ostfrauen waren einer Mehrfachbelastung ausgesetzt, die durch Ganztages- und sogar Wochenstätten für die Kinder abgefangen wurden. Ja, teilweise blieben schon Säuglinge über Nacht in Fremdbetreuung. Dafür war das Stillen in der DDR Normalität, wohingegen sich im Westen schon der Trend zur Flasche abzeichnete.

Der Staat was watching you!

Und was einfach mega krass war: Welche Kontrolle der Staat über seine BürgerInnen („Genossinnen und Genossen“) hatte. Der Staat kontrollierte beinahe Alles, schränkte die Meinungsfreiheit ein und betrieb Propaganda: Rundfunk, Musik, Presse, Filme und auch Bücher! Ich kann mich da sogar noch erinnern, wie in den frühen 1990er Jahren ein sehr beliebter Lehrer meine Grundschule verließ, weil Stasi-Akten über ihn aufgetaucht waren. Den Zusammenhang bekomm ich nicht mehr genau hin. Fakt ist jedenfalls, dass jeder irgendwann die Möglichkeit hatte, seine Stasi Akten einzusehen. Ich glaube, meine Eltern wollten das nie wissen, was der Staat alles über sie wusste und wer da was „gepetzt“ hatte.

Stasi ist das Kurzwort für das Ministerium für Staatssicherheit – dem Nachrichtendienst und Geheimpolizei der DDR. Und wenn man jemanden wegen irgendwelchen „Vergehen“ gemeldet hat, bekam man selbst hier und da Benefits. Deswegen sind die Ossis heute vielleicht immernoch so misstrauisch gegenüber Anderen, insbesondere „Fremden“ (Stichwort Xenophobie).

Meine Tante hatte damals das Glück, beruflich öfter in UdSSR (Sowjetunion, heutiges Russland) reisen zu dürfen / müssen – sie hat dabei Bücher nach Hause geschmuggelt. Stell dir mal vor, du hast kiloweise Bücher in deiner Handtasche und tust so, als wäre sie federleicht, damit ja niemand draufkommt. Zum Glück wurde sie nie erwischt, wer weiß wie lang sie dafür ins Gefängnis hätte gehen müssen oder was ihr sonst noch passiert wäre. Das erklärt auch sehr anschaulich, welchen Stellenwert Bücher in meiner Familie haben.

Es gab noch viele schauerhafte Geschichten aus der DDR, wie zB. Mütter die ihre Kinder im Osten zurück ließen, um in den Westen zu flüchten oder auch Totenscheine für Babys, die zur Adoption in den Westen gegeben wurden. Aber dazu gern ein anderes Mal, an anderer Stelle (oder je nachdem wie es dich interessiert auch mal hier am Blog).

Wie vereint ist Deutschland?

Diese junge Geschichte findet leider wenig mediale Beachtung. Ich hoffe ich konnte so einen kleinen Einblick geben. Noch heute sind leider die Unterschiede zwischen Ost und West gesellschaftlich sehr spürbar. Die letzte Wahl im September 2021 war ja auch mehr als erschütternd, für mich aber leider nachvollziehbar, weil der Osten schon immer sehr rechts geprägt war.

 

Willst du mehr über das Leben in der ehemaligen DDR erfahren oder hast selbst eine kleine Anekdote zu erzählen? Dann hinterlasse mir gern einen Kommentar! Ich würde mich wahnsinnig gern darüber mit dir austauschen.

Deine Charlie

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