Mein erster Beitrag zum Menstag handelt von der lieben Isabel Fleschhut, Designerin und Gründerin des Stoffbinden-Labels „Bloodmilla“.

Logo Bloodmilla

Ihren beeindruckenden Werdegang habe ich dir hier geschildert. In diesem Beitrag erfährst du im Zuge unseres Interviews mehr über ihre Bloodmillas (Binden und Slipeinlagen aus Stoff) und andere alternative Damenhygieneprodukte.

Isabel hat mir erzählt, dass sie bereits einen Dawanda-Shop aufgebaut hat, in dem sie Wunschröcke näht. Der Dawanda-Shop und auch die eYe company existieren bis heute, allerdings in einer etwas abgespeckten Version, weil Isabel neben Bloodmilla leider viel zu wenig Zeit hat, sich selbst um die Herstellung der Röcke und die Betreuung der Webseiten zu kümmern.


 

Produkttest Bloodmilla

Großes Bloodmilla-Paket zum Testen.

Umso mehr freut es mich, dass sich Isabel für mich die Zeit nahm und meine zahlreichen Fragen über Bloodmilla beantwortete. Aufgepasst und angeschnallt, hier kommt unser kleines Interview!

 

Liebe Isabel, wie bist du zu der alternativen Monatshygiene gekommen?

Da ich wie schon beschrieben immer eine sehr idealistische Vorstellung hatte einmal vernünftige Biotextilien herzustellen, was mir mit eYe ja auch schon teilweise gelang, bin ich immer mit offenen Augen durch die Textilwelt gegangen. Privat habe ich auch schon immer auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit geachtet und so bin ich eines Tages durch eine Bekannte auf die waschbaren Stoffbinden aufmerksam geworden.
Ich habe mich aus purer Neugier intensiver mit dem Thema beschäftigt und dann auch recht schnell einmal Produkte bestellt die damals am Markt erhältlich waren.

Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, selbst Stoffbinden zu designen und zu produzieren?

Leider war ich mit keinem einzigen Produkt zufrieden das ich bestellt hatte. Diese waren entweder aus ungeeignetem Material, hatten komische Halter für die Einlagen bei denen alles verrutschte oder waren sehr schlecht verarbeitet. Außerdem störte mich, dass man die etwas besseren Produkte nur aus den USA bekam.
Mein Ehrgeiz, ein funktionierendes Produkt herzustellen, war also geweckt und so habe ich mich 2012 an die Entwicklung der ersten Bloodmillas gemacht. Ich habe mir dafür 9 Monate Zeit gelassen um unzählige Materialien und Verarbeitungen zu testen und schließlich ging im März 2013 dann der Bloodmilla Shop online.  Darauf folgten fast 4 Jahre Herstellung in Handarbeit von tausenden (!) von Bloodmillas bis ich die Produktion der neuen Modelle im Februar 2017 an meinen Studienkollegen in dessen Näherei auf der schwäbischen Alb übergeben habe. Dort werden nun in einer kleinen Nähgruppe die Bloodmillas zugeschnitten und in Kleinserien genäht. Es ist wirklich eine ganz tolle kleine Näherei, wie im Bilderbuch!

Bloodmilla stark rot

Starke Bloodmilla – der Ferrari.

Was nutzt du selbst am liebsten und warum?

Ich selbst nutze am liebsten tatsächlich die Bloodmillas. Wenn ich länger unterwegs bin oder während der Mens zum Baden gehe benutze ich eine Menstasse. Da ich von Berufswegen sehr viele Tassen getestet habe greife ich hier auch je nach Tagesform und Gefühl auf eine meiner 4 Lieblingstassen zurück.
Bei Bloodmilla werden ALLE Artikel die im Shop angeboten werden vorher persönlich von mir und teilweise auch von Freundinnen und Bekannten getestet, je nachdem was es für ein Produkt ist. Ich habe auch schon recht bekannte Produkte abgelehnt, weil sie aus meiner bzw. Sicht der Testerinnen nicht gut genug waren. Zudem spielt die Herkunft oder besser das Herstellungsland eine große Rolle, da ich keinen Sinn darin sehe z.B. eine Menstruationstasse, die für einen amerikanischen Hersteller in China produziert wurde nach Deutschland zu importieren und so einmal um die ganze Welt geschickt zu haben. Es gibt genügend gute Produkte in Europa und wie Bloodmilla ja beweist sogar aus deutscher Herstellung! Man muss sie nur suchen und konsequent sein bei der Wahl der Produkte. Das bedeutet dann eben auch manchmal auf den ein oder anderen potentiellen Verkaufsschlager zu verzichten.

Woher kommen die verarbeiteten Stoffe/Materialien?

Die Stoffe für die Bloodmillas werden, bis auf den Nicki und Molton, extra für Bloodmilla auf der schwäbischen Alb gestrickt und gefärbt. Der Nicki kommt derzeit noch aus der Türkei, aber auch hier überlegen wir auf deutsche Ware umzustellen, hatten aber noch eine größeren Restbestand. Unsere Molton Qualität kommt aus Deutschland. Alle Stoffe sind GOTS (Anm.: Global organic textile standard) zertifiziert.

Die GOTS zertifizierten Stoffe sind bei Bloodmilla Pflicht, da hier der gesetzte Standard vor Allem auch für Färben und Bedrucken der Stoffe sehr hoch ist. Wichtig ist auch, dass bei einem so intimen Produkt Biobaumwolle zum Einsatz kommt. Der ÖKO TEX Standard ist hier meiner Meinung nach nicht ausreichend. Es gibt ja auch viele Facebookgruppen und Foren in denen sich Frauen darüber austauschen wie man waschbare Binden selbst näht und welche Materialien man am Besten verwendet, und ich kann nur Allen raten ausschließlich Stoffe aus Biobaumwolle (kontrolliert biologischer Anbau, kbA) zu verwenden, besser noch GOTS oder IVN BEST zertifiziert. Denn auch ein Stoff aus Biobaumwolle kann konventionell gefärbt oder bedruckt worden sein und dann hat man die Schadstoffe wieder drin.

Woraus besteht der Saugkern der Bloodmillas?

Bei Bloodmilla wird komplett auf eine PU (Polyurethan) Schicht verzichtet. Der Saugkern besteht aus unterschiedlich aufeinander gelegten Lagen der verschiedenen Baumwollstoffe. Die Anordnung dieser Lagen ist bei jedem Modell anders. Bei den Binden ist auch immer eine Lage Molton dabei, da dieser Stoff eine sehr hohe Saugfähigkeit besitzt. Hier gibt es enorme Unterschiede bei den Qualitäten. Es hat lange gedauert, bis wir die passende gefunden haben, die dann auch unseren Kriterien der möglichst regionalen Produktion entsprach.

Warum verzichtest du auch bei starken Binden und Nachtbinden auf Polyurethan?

Ich möchte bei meinen waschbaren Binden so wenig synthetische Materialien wie möglich verwenden. Durch die entsprechende Anordnung der verschiedenen Baumwollstoffe innerhalb der Binden sind die Bloodmillas sehr saugstark. Allen die extrem starke Blutungen haben empfehle ich, für die Nacht zusätzlich ein Schwämmchen oder eine Menstasse zu verwenden.
Produkttests für Bloomdillas in EXTRA STARK sind bereits gestartet, aber auch diese Modelle werden keine PU Schicht bekommen.

Kann man die Nachtbinden theoretisch auch für das Wochenbett benutzen? Wären Nachtbinden eine Alternative für Inkontinenzeinlagen?

Es gibt bereits viele Kundinnen, die die Bloodmillas für das Wochenbett benutzen und ich bekomme auch häufig Anfragen von Hebammen und Windelberaterinnen, welche Infomaterial anfordern.
Für Inkontinenz sind die Bloodmillas nur bedingt nutzbar. Wenn es nur wenige Tröpfchen sind, es sich also um eine sehr leichte Blasenschwäche handelt, sind die Stoffbinden aber prima geeignet.
Sicherlich ist das ein Thema, über das ich mir Gedanken mache und ich schließe nicht aus in Zukunft waschbare Einlagen für Inkontinenz zu entwickeln.

alternative Monatshygiene

Levantiner Schwämmchen

Du hast neben Stoffbinden, Slipeinlagen und Menstassen auch Levantiner Schwämmchen im Sortiment. Was ist der Vorteil zur Menstruationstasse? Stellen die Schwämmchen nicht auch einen guten Nährboden für Bakterien dar und somit wieder erhöhtes Risiko für TSS?

Die Levantiner Schwämmchen haben den Vorteil, dass sie sehr einfach einzuführen und sehr weich sind. Sie sind daher ideal für junge Mädchen und Frauen mit einem empfindlichen Intimbereich. Weitere Vorteile der Schwämmchen sind, dass sie die Schleimhäute nicht austrocknen und man damit sogar Sex haben kann.

TSS ist leider nie ganz auszuschließen, außer bei Binden. Levantiner Schwämmchen sind aber gegenüber Tampons besser geeignet. An dem natürlichen fusselfreien Material können sich Bakterien schwerer ansiedeln, als an der Watte eines Tampons (von der sich auch Fasern lösen und in der Scheide verbleiben können).  Ein Fall von TSS ausgelöst durch ein Levantiner Schwämmchen ist mir bisher nicht bekannt.
Bei Menstruationstassen ist das Risiko an TSS zu erkranken aber aufgrund der glatten Oberfläche der Tassen am geringsten. Grundsätzlich ist es am wichtigsten bei Menstruationsprodukten, die eingeführt werden stark auf die Hygiene zu achten!!

 

Wie viele Bloodmillas braucht Frau im Durchschnitt? Wie viele Schwämmchen?

Das ist natürlich abhängig von der Stärke der Blutung. Da jede Frau ihre Blutung unterschiedlich einstuft ist es pauschal schwer zu sagen. Wer bisher Tampons verwendet hat kann davon ausgehen, dass die Stoffbinde in der entsprechenden Stärke etwa 1/3 mehr Blut aufnehmen kann. Wenn man mal von einer ganz pauschalisierten Monatsblutung ausgeht, mit 2 stärkeren Tagen und 3 leichteren Tagen würde ich folgendes vorschlagen:
Tag 1 + 2: 3-5 Binden Stark/Normal (je nach Blutungsstärke) + je 1 Nachtbinde
Tag 3 + 4: 2-4 Binden  Stark/Normal + evtl. noch eine Nachbinde
Tag 5: je nach Blutungsstärke 2 Binden normal oder evtl. auch nur noch Frottee Slipeinlagen

Ich rate Frauen die sich nicht ganz sicher sind immer erst mal eine Bloodmilla je Stärke und Größe auszuprobieren. Die Wahrnehmung der Blutungsstärke ist wirklich eine ganz andere wenn man Tampons oder Binden verwendet. Viele Frauen sind erstaunt dass es doch gar nicht sooo viel Blut ist wie sie immer angenommen haben als sie noch Tampons verwendeten. Ein Mix aus den verschiedenen alternativen Produkten zur Monatshygiene ist für viele die perfekte Lösung. Jede Frau sollte hier selbst herausfinden was zu ihr, ihrem Alltag und Ihren Bedürfnissen am besten passt.

Stoffslipeinlagen und Menstassen

Neues 5er Sparpaket Bloodmilla

Was ist neu an den neuen Bloodmillas?

Um die neuen Bloodmillas für die Produktion anzupassen wurde die Verarbeitung geändert. Die neuen Modelle müssen nun nicht mehr aufwändig gewendet werden. Auch der Schnitt wurde überarbeitet und der früher verwendete Webstoff wurde durch einen sehr weichen und auch saugfähigen Sweatshirtstoff ersetzt. Außerdem sind nun alle Lagen des Saugkerns über die gesamte Länge der Binden und Slipeinlagen durchgängig und der Plastikknopf wurde durch einen viel flacheren nickelfreien  Metall-Druckknopf aus deutscher Produktion ersetzt, der nun auch verstellbar ist.
All diese Veränderungen machen die neuen Bloodmillas noch bequemer, da sie trotz höherer Saugfähigkeit etwas dünner sind und noch weniger verrutschen. Außerdem haben wir unsere Ziel umsetzen können, dass die neuen Bloodmillas im Schnitt nun bis zu 2 EUR pro Stück günstiger sind. Dies konnten wir durch die bessere Stoffausnutzung erreichen und haben gleichzeitig den Verschnitt (Stoffabfall) auf ein Minimum reduzieren können.
Dadurch dass wir nun größere Stückzahlen produzieren können,  haben stationäre Händler (keine reinen Onlineshops, da wir die persönliche Beratung sicherstellen wollen) die Möglichkeit, die Bloodmillas in ihr Sortiment aufzunehmen. So sind sie dann auch offline bald in dem ein oder anderen Reformhaus, Bioladen und auch bei Hebammen und Windelberaterinnen direkt erhältlich.

Was planst du für die Zukunft?

Die Umstellung auf die neuen Modelle war für dieses Jahr schon ein sehr großer Schritt für Bloodmilla, aber es gibt natürlich noch weitere Pläne für die Zukunft.
Momentan kümmere ich mich um die Beschaffung von bedruckten Stoffen um die Vielfalt an Farben und Mustern bei Bloodmilla zu erweitern. Es kann aber noch einige Monate dauern bis gemusterte Bloodmillas im Shop erhältlich sind. Auch die bedruckten Stoffe sollen komplett in Deutschland GOTS zertifiziert produziert werden, was einer gewissen Vorbereitung Bedarf (Anmerkung: Mittlerweile hat Isabel schon ein paar bedruckte Binden im Sortiment – wie herzig).

Ansonsten stehen für die nahe Zukunft einige Verbesserungen im Shop an. Dazu zählen die Anpassung (Verringerung) der Versandkosten seit diesem Sommer, die Erstellung einer umfangreichen FAQ-Seite und diverse technische Anpassungen, die  den Shop übersichtlicher und kundenfreundlicher machen werden.

Die Ideen gehen mir zum Glück nie aus und so wird sich Bloodmilla immer weiter entwickeln und für alle interessierten Frauen am Ball bleiben!

Vulvi Pads

VULVIS

Liebe Isabel, herzlichen Dank für die Beantwortung all meiner Fragen! Ganz spannend finde ich im Moment auch die Freie Menstruation und ich freue mich besonders, dass du auch dazu ein unterstützendes Produkt – die Vulvi Pads (interlabial Pads) entwickelt hast und anbietest.

 

Lieber Leser, liebe Leserin – Bald schon berichte ich dir von meinen eigenen Erfahrungen mit den Bloodmillas. Nur so viel vorweg: Ich bin begeistert!

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3 Comments

  1. […] Bloodmilla, über den Isabel Produkte für die nachhaltige Frauenhygiene entwirft und verkauft. Lies in unserem Interview unter Anderem mehr über die Stoffbinden und -Slipeinlagen (Bloodmillas), Levantiner Schwämmchen […]

  2. […] Auch auf meinem Blog soll die Menstruation, der weibliche Zyklus und die gesunden nachhaltigen Mensprodukte einen großen Stellenwert bekommen. Darum ernenne ich hiermit den Montag zum Wickelwahnsinn-Menstag und berichte dir zu jedem Wochenbeginn aus dem Schoß der Frau. Schon heute möchte ich mit einer ganz wunderbaren Dame beginnen – Isabel Fleschhut von Bloodmilla. Aber lies dazu mehr in unserem Interview! […]

  3. Katharina 19. November 2017 at 11:03 - Reply

    Ein sehr interessanter Beitrag!
    Ich bin immer ganz fasziniert von den vielen Alternativen zu Tampons aber Stoffbinden hab ich bisher noch nie gesehen!

    Liebe Grüße
    Katharina

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