Warum ich nicht auf Kunststoff Stoffwindeln verzichten werde – weder privat noch in Beratungen.

Einige meiner lieben Kollegen setzen nun Schwerpunkte, aus verschiedenen persönlichen und ethischen bzw. ökologischen Gründen. Es ist ihnen besonders deswegen nicht zu verdenken: Der Stoffwindelmarkt ist schon unübersichtlich groß geworden. Neben zahlreichen Systemen und ihren Zwischenstadien gibt es unzählige Hersteller, die alle ihre Besonderheiten ausgetüftelt haben. Ich sehe den Vorteil des großen Marktes darin, dass so jeder Kunde die Möglichkeit hat, wirklich SEINE Windel zu finden, bzw. die Windel die alle Anforderungen der Familie und des Kindes erfüllt. Allerdings ist es als Berater schlichtweg unmöglich, jeden Hersteller präsentieren zu können.

Ich stellte in meinen Beratungen zum Teil fest, dass die Kunden mit dem großen Angebot überfordert sind. Hier beschränke ich mich bewusst auf die Systeme und zeige auf Wunsch gewisse Hersteller oder erkläre, worin die Besonderheiten liegen und welche Windel diese mitbringt.

GroVia ONE

Die GroViaONE, erhältlich bei den Wickelexperten.

Natürliches Stoffwickeln liegt im Trend

Eingangs erwähnte Kollegen richten ihr Hauptaugenmerk nun auf natürliche Produkte: Hanf, Baumwolle und Wolle – besonders Hanf und Wolle, da diese heimischen Materialien die nachhaltigsten sind. Sich in der Beratung auf gewisse Materialien zu beschränken und andere Standards wie eine gewisse Regionalität zu setzen, sehe ich als einen enormen Vorteil. Auf diese Art und Weise engt sich das Windelrepertoir stark ein und es wird auch nur eine ganz bestimmte Zielgruppe angesprochen. Diese Selektion ist gigantisch, so ist wirklich sehr ökologisches Wickeln möglich! Regionale Produkte von europäischen Herstellern werden z.B. von den deutschen Windelproduzenten WindelManufaktur, Kleo oder Maleja angeboten.

Stoffwindelberatung: Um einen Überblick zu erhalten

In Österreich sehe ich nur vereinzelt diesen Bedarf nach ausschließlich natürlichen Materialien. Sollte mein Kunde diesen Wunsch äußern, erkläre ich selbstverständlich nur plastikarme Produkte. Allerdings wollen die meisten meiner Kunden einen Überblick, eine Erklärung der Systeme, die Produkte sehen und angreifen, Tipps zum Waschen und zum Einkauf erhalten. Darum spielen hier Stoffwindelmarken eine wichtige Rolle, welche vom österreichischen Windelgutschein gefördert werden. Wenn die Kunden nun aus einer fördernden Gemeinde stammen, werde ich ihnen vornehmlich (auf Wunsch) die förderbaren Marken zeigen. Diese enthalten allerdings vermehrt Mikrofaser oder eine natürliche Kunstfaser.

 

Blümchen AIO

Blümchen Stoffwindel, produziert von und erhältlich bei der Stoffwindelcompany.

Warum meine „künstlichen Stoffis“ bleiben

Du denkst dir nun womöglich: „Wenn Charlie natürliche Materialien so toll findet, warum springt sie nicht auf diesen Zug auf?“ Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass einige moderne Stoffwindelsysteme zum Teil Plastik enthalten: Klettverschlüsse, Polyurethan als Nässeschutz oder diverse Mikrofaser-Variationen in den Saugmaterialien. Alternativen gibt es: Knöpfe als Verschluss, Wolle als Nässeschutz und Hanf, Baumwolle, Leinen als Saugeinlage. Warum behalten also Kunstfaser-Produkte in meiner Beratung und auch in meinen Tests einen festen Bestandteil? Dafür habe ich mehrere Gründe:

  • Windeln mit Klettverschluss sind besonders beliebt bei Fremd- und Wenigwicklern oder Eltern, die vorher mit Wegwerfwindeln gewickelt haben und jetzt auf Stoffwindeln umsteigen.

  • Polyurethan ist als Nässeschutz in Stoffwindeln fast nicht mehr wegzudenken und wird auch als Beschichtung für Stilleinlagen oder Stoffbinden eingesetzt. Die Besonderheit am PUL (Polyurethan Laminat) liegt an dessen Luftdurchlässigkeit, obwohl es Feuchtigkeit gut abhält. Mechanisch auf Polyester oder Textilien aufgebracht, wird eine Feuchtigkeitsbarriere ohne weiteren Einsatz von Chemie erzeugt. Auch durch Wolle kann ein Nässeschutz bewerkstelligt werden, allerdings verträgt nicht jede Haut Wolle. Ich hatte schon Kunden, die konnten die Wollprodukte nicht einmal anfassen, darunter eine Frau mit starker Neurodermitis.

  • Textilien aus Mikrofaser und auch aus Viskosen (wie die häufig verwendete Bambusviskose oder die Birkenviskose Tencel) sind Funktionsmaterialien. Das bedeutet, ich kann je nach geforderter Funktion das Material anpassen. Dadurch designe ich einen Stoff, der besonders saugfähig ist, ein besonders flauschiges oder wasserabweisendes Material – es besteht viel Spielraum je nach Anforderung.

  • Mikrofaser trocknet meist unglaublich schnell – ein großer Vorteil für Stoffwindel-Interessierte mit kleiner Behausung (ein Kann, kein Muss!).

  • Es kann ein sehr saugfähiger Stoff erzeugt werden, der gern für Pocketwindeln oder als Kern für Zorbeinlagen verwendet wird. Wegen dieser hohen Saugfähigkeit sollte die oberste Schicht ein natürlicher Stoff oder ein Fleeceliner sein, damit nicht alle Feuchtigkeit der Haut entzogen wird. Viskosen, die natürlichen Kunstfasern, sind gewöhnlich mit Baumwolle gemischt, saugstark und hautfreundlich. Sie werden gern in Nachtwindeln / Höschenwindeln verarbeitet, und auch in Einlagen wie der Blümchen-Bambuseinlage.

 

Ja, es ist Plastik! Ich persönlich denke: Kein wilder Mix aus verschiedenen Plastikarten und Chemikalien wie Superabsorber, sondern EIN Plastikstoff, wird in der Herstellung von modernen Stoffwindelsystemen verwendet. Für mich persönlich überwiegen die positiven Fakten die Nachteile und machen Kunstfaser-Stoffwindeln zu einem essentiellen Punkt in einer Überblicksberatung.

Letztendlich soll meiner Meinung nach der Kunde die Möglichkeit und die Auswahl haben, um für sich und sein Baby das richtige Produkt zu finden.

By | 2017-09-28T07:20:55+00:00 August 27th, 2017|Hintergrundwissen, Rund ums Stoffwickeln|0 Comments

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