Im September 2016 hatte ich das große Vergnügen, Stephanie Oppitz – Gründerin und Inhaberin der WindelManufaktur* in Dresden – persönlich kennenzulernen. In diesem Beitrag lasse ich dich an unserem sonnigen Gespräch auf der Gartenbank hinter ihrem Atelier teilhaben.

Wer ist Stephanie Oppitz?

Stephanie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Gemeinsam lebt die Familie in der schönen Dresdner Neustadt, wo sich auch ihr Unternehmen – die WindelManufaktur – befindet. Die Selbstständigkeit liegt ihr quasi im Blut. Als Familienmanagerin möchte sie ihre Kinder aufwachsen sehen, sie dabei bindungsorientiert begleiten. Stephanie liebt aber auch ihre Arbeit und das spiegelt sich in jedem einzelnen Produkt der WindelManufaktur wider. Die studierte Bauhistorikerin möchte deswegen gar nicht zurück in ihren alten Beruf, sie hat ihre Berufung in der WindelManufaktur gefunden!

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Stephanie Oppitz mit einer ManufakturWindel. Quelle: WindelManufaktur*

Die Anfänge der ManufakturWindel

Als Mutter, die naturnah und nachhaltig lebt, kommt man eigentlich an Stoffwindeln gar nicht vorbei. Jedoch hatte Stephanie gar nicht gewusst, wie toll Stoffwindeln mittlerweile sind. Auch im Geburtsvorbereitungskurs kam das Thema Stoffwindeln nie zur Sprache. Ein Urlaub zeigte Stephanie auf, wie viel Müll das Wickeln mit Wegwerfwindeln erzeugt. So probierte sie sich durch die verschiedenen Systeme moderner Stoffwindeln und fand einfach nicht das Richtige für ihre Familie. Da sie allerdings seit der Kindheit näht, brauchte es nur einen kleinen Anstupser ihres Mannes und schon bastelte Stephanie die ersten Prototypen der ManufakturWindel. Nach einem arbeitsintensiven Jahr und ausgiebigen Tests an den eigenen und den befreundeten Kindern stieg die Nachfrage im Bekanntenkreis. Mit Geduld, viel Arbeitseifer und wenig Schlaf schaffte es Stephanie komplett ohne fremde finanzielle Hilfe ihr eigenes Unternehmen aufzubauen. Heute ist Stephanie mit ihrer WindelManufaktur eine wahre Stoffwindel-Ikone.

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ManufakturWindel im Design Oscha Sekai Jol. Quelle: WindelManufaktur*


Liebe Stephanie, was zeichnet deine ManufakturWindel (WMW) aus?

Die WMW ist eine 3-teilige Windel – sie besteht aus der hübschen Außenwindel, der nässeschützenden Innenwindel und  der saugfähigen Einlage. Durch die Konstruktion der WMW bin ich komplett frei in meinen gestalterischen Möglichkeiten. Ich kann gezielt auf die Kundenwünsche eingehen. Einzigartig ist zudem die Wollinnenwindel als Nässeschutz. So ist es möglich, ein sehr plastikarmes Komplettwindelsystem anzubieten.

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Das AI3 System: 1-Außenwindel, 2-Innenwindel, 3-Einlage. Quelle: WindelManufaktur*

Dein Ziel bei der Stoffwindelproduktion war es, eine auslaufsichere Windel zu kreieren, die sowohl schön als auch einfach zu handhaben ist. Warum hast du dich für das All-in-3 System entschieden?

In den Anfängen des Stoffwickelns nutzte ich Mull- und Bindewindeln mit Wollüberhosen. Ehrlich gesagt war der Waschaufwand sehr groß. Ich habe mir überlegt, dass eine Damenbinde so konstruiert ist nur den entscheidenden Bereich zu schützen. Dieser Gedanke sprach mich sehr an, denn es sollte auch der nasse Bereich am Kind klein gehalten werden. Die Saugeinlagen* werden nach Verwendung ausgetauscht. Durch das Auslüften und Weiterverwenden der nässeschützenden Innenwindel und der Außenwindel ist das Waschpensum sehr gering. Außerdem ist der Hautkontakt mit der Innenwindel und damit dem Nässeschutz viel kleiner, als z.B. bei Prefoldüberhosen.

Du lebst nachhaltig und vermeidest wo es geht Plastik. Nun sind aber viele WindelManufaktur- Außenwindeln mit einer Mikrofleece-Schicht ausgekleidet, einem Material auf Erdölbasis.

Das ist richtig. Ältere Modelle der WindelManufaktur Außenwindeln sind entweder mit einer Schicht aus Mikrofleece oder Sherpa (Baumwolle) ausgekleidet. Fleece hat den Vorteil, dass es auch bei hartem Wasser weich bleibt. Natürlich ist und bleibt es Plastik, weswegen wir nach Alternativen suchten. Es hat vier Jahre gedauert, um einen guten Lieferanten für Baumwoll-Flanell aufzutreiben. Jetzt habe ich endlich einen Ökotex-100 zertifizierten Hersteller in der Türkei gefunden, der dieses Flanell eigens für die WindelManufaktur produziert. Jetzt wird Stück für Stück umgestellt.

Santa von Finding Sustainia hat dich 2015 interviewt und nach einer plastikfreien Windel befragt. Konntest du in dieser Hinsicht Fortschritte machen?

Wie ich schon Santa erklärte, gibt es diverse Probleme in der Produktion einer plastikfreien Windel. Plastikfrei bzw. sehr plastikarm lässt sich durch die Nutzung der Wollinnenwindel bewerkstelligen. Es bedarf allerdings äußerst geringer Mengen an Plastik (Elasthan-Anteil in Bündchen oder Snaps zum Verschließen der Windel).

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Wollinnenwindel. Quelle: WindelManufaktur*

Für den Nässeschutz wollen die Hersteller gewisse Stoffe vermeiden und nicht an der Haut der Kinder haben, da die Materialien chemisch aufbereitet und aufgebracht werden. Man könnte zwar z.B. Merinowolle dauerhaft wasserdicht machen, aber nur mit nicht-zugelassenen Chemikalien.

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PUL-Innenwindel mit Einlage. Quelle: WindelManufaktur*

Die Waschbarkeit stellt die Hersteller vor eine weitere Herausforderung. Stoffe, welche für Babys Haut zugelassen sind, waschen sich aus. Das Aufbringen ist also nur chemisch möglich, die einzige mechanische Lösung für den Nässeschutz ist PUL (Polyurethan-Beschichtung). Unser hochwertiges PUL ist sogar für Lebensmittel zugelassen. Es handelt sich bei PU zwar auch um ein Erdöl-Produkt, aber es stellt das geringste „Übel“ dar. Vergleichsweise strotzt eine Wegwerfwindel nur so vor Plastik, Superabsorbern, viel Chemie und Zusatzstoffen.

Wäre Baumwolle eine vegane Alternative zur Wollinnenwindel als Nässeschutz?

Es ist möglich, Baumwolle wie Merinowolle mit Lanolin zu fetten und auf diese Weise wasserdicht zu machen. Allerdings hält die Imprägnierung nicht so gut wie gefettete Wolle. Man müsste öfter waschen und fetten, da Baumwolle nicht die selbstreinigende Eigenschaft der Wolle besitzt und dadurch schneller zu riechen beginnt.

Ist also eine vegane, plastikfreie Windel überhaupt möglich?

Die vegane und plastikfreie Windel wäre meiner Meinung nach eine sehr dicke Höschenwindel. Eine bessere Alternative wäre (Teilzeit-)Windelfrei** zu praktizieren und dafür ein paar Stoffwindeln als Backup zu nutzen. Dafür eignen sich die ManufakturWindeln ausgezeichnet, da man nur ein Waschläppchen* als Einlage verwenden kann und nur dieser bei Bedarf gewechselt werden muss.

Ein großes Thema in Bezug auf Stoffwindeln ist das Waschen. Was ist deiner Meinung nach beim Waschen von Stoffwindeln zu beachten?

Am wichtigsten ist es, keine Wissenschaft daraus zu machen und alles was an Zusatzstoffen nicht sein muss, wegzulassen. Die Langlebigkeit der Windeln kann unter der Zugabe von gewissen Stoffen leiden. Unter Umständen kann ich die Windeln nur für ein Kind statt für vier Kinder nutzen. Zum Beispiel werden in Gebieten mit hartem Wasser die Baumwollprodukte mit der Zeit härter. Man kann Zitronenwasser zur Wäsche geben, damit diese wieder weicher wird. Aber nach einigen Jahren hat die Säure womöglich das Material der Windeln angegriffen.

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Die Einlage wird bei jedem Windelwechsel getauscht. Die Innenwindel und die Außenwindel müssen seltener gewaschen werden (nur wenn sie stark verschmutzt sind). Quelle: WindelManufaktur*

Wir als Stoffwindelberater dürfen keine konkrete Waschmittelempfehlung geben, bzw. wird uns geraten, auf die Herstellerempfehlung zu verweisen. Da du eine Windelherstellerin bist: Welches Waschmittel benutzt du?  

„Denkmit“  sensitiv von DM für stark verschmutzte Wäsche, das „Ulrich natürlich“ Flüssigwaschmittel für leicht bis mäßig verschmutzte Wäsche wie getragene T-Shirts und das Ecoegg für leicht verschmutzte Wäsche.

[Anmerkung: In ihren Stoffwindelanfängen hat Stephanie sogar Weichspüler zu der Windelwäsche gegeben und die Windeln haben es überlebt. Davon wird aber generell abgeraten, auch zum Schutz der empfindlichen Babyhaut.]

Neben Stoffwindeln bietet deine WindelManufaktur zahlreiche weitere Produkte an, wie Lätzchen, Wickelunterlagen, Still- und Slipeinlagen aus Stoff, zur Zeit vermutlich besonders gefragt – Stofftaschentücher*. Was sind eure neuesten „Babys“?

Die Produktentwicklung schreitet stetig voran, wobei wir nah am Kunden sind. Seit Sommer 2016 bieten wir Neugeborenenwindeln* mit größenangepasster Innenwindel an.

Ganz neu ist die Möglichkeit, neben den Außenwindelgrößen 1 (4-11 kg) und 2 (9-19 kg) nun auch Unikatwindeln* in der Größe 1,5 (6-15 kg) zu bestellen.

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Das praktische Skip Hop Case, befüllt mit bunten Flanellfeuchttüchern. Quelle: WindelManufaktur*

Wir haben außerdem das praktische Feuchttuchcase der Firma Skip Hop in unser Sortiment aufgenommen und bieten dazu passende und von uns gefertigte Flanellfeuchttücher* zu 10er-Sets in verschiedenen Farben und Mustern an.

Es gibt in der WindelManufaktur viel zu sehen und zu entdecken, ein Besuch lohnt sich!

Liebe Stephanie, vielen herzlichen Dank für deine Zeit und das nette Gespräch. Es hat mich sehr gefreut, dich persönlich kennenzulernen!

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**Windelfrei: Zusammengefasst bedeutet Windelfrei – besser bezeichnet als Ausscheidungs­kommunikation – dass Eltern lernen auf die Ausscheidungsbedürfnisse ihrer Kinder zu achten. Darum geht es in erster Linie nicht um das „Nicht-Wickeln“ sondern um „Kommunikation“ und die Stärkund der Bindung zwischen Eltern und Kind. Windelfrei wird oft in Kombination mit Stoffwindeln als Back-Up praktiziert, wofür sich die WMW wunderbar eignet.

Quellen:

Interview mit Stephanie Oppitz in der WindelManufaktur am 13.9.2016.

www.windelmanufaktur.com*

https://geborgen-wachsen.de/2014/04/30/neue-wege-muetter-und-ihre-jobs-stephanie-oppitz-von-der-windelmanufaktur/

http://findingsustainia.org/windelmanufaktur/

By | 2017-10-19T22:56:06+00:00 Januar 14th, 2017|Wahnsinns Persönlichkeiten im Interview|6 Comments

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6 Comments

  1. Steffen GM 23. Januar 2017 at 15:50 - Reply

    Das ist aj toll, wie mit einfachen Mitteln große Umweltbelastungen reduziert werden können. Und die Babies werden auch weniger belastet. Das ist sehr zu empfehlen und funktioniert sicher gut.

  2. […] ging die ManufakturWindel in Serie. Mehr Infos zur Geschichte der WindelManufaktur gibt es hier im Interview mit […]

  3. […] zu dem Interview, welches ich mit Stephanie Oppitz in ihrem Atelier der WindelManufaktur führen durfte, habe ich […]

  4. […] Das Familienunternehmen StoffyWelt wurde von Michelle Kasper und ihrem Mann 2011 ins Leben gerufen. Michelle stieß in ihrer Heimat Neuseeland auf moderne Stoffwindeln. Sie war überrascht, wie diese heute ausschauen und funktionieren. Denn obwohl sie sich als gut informiert bezeichnete, hatte sie in der Schwangerschaft nichts über heutige Stoffwindeln gehört. Dasselbe Problem schilderte mir übrigens Stephanie Oppitz in unserem Gespräch. […]

  5. […] Regionale Produkte von europäischen Herstellern werden z.B. von den deutschen Windelproduzenten WindelManufaktur, Kleo oder Maleja […]

  6. […] Regionale Produkte von europäischen Herstellern werden z.B. von den deutschen Windelproduzenten WindelManufaktur, Kleo oder Maleja […]

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